Auf der Nordseite der Seealpen fahren wir durch das Piemont und sammeln Eindrücke und Erlebnisse …
Cuneo
Cuneo, unsere Übernachtungsdestination, ist eine schöne Stadt. Nach Croissant und Cappuccino schauten wir uns deshalb noch etwas um. Beim Gemeindehaus erhielten wir vom Angestellten ein bisschen Geschichts- und Italienischunterricht. Alles habe ich nicht verstanden, aber die Stadt hat offenbar schon viel erlebt, bevor wir kamen. Und drei Fratellis des Ortes haben Autos gebaut und daraus entstand Fiat (Fabbrica Italiana Automobili Torino).

Hier ein wenig Cuneo:



Schwierigere Routenplanung
Die Routenplanung hier im Piemont (was übrigens „am Fuss der Berge“ heisst) ist etwas schwierig. An der Küste war das einfach, die Richtung war klar, das Wasser und die Berge begrenzten rechts und links. Heute folgten wir sorgfältig geplanten Wegen der spontanen Inspiration, versuchten dabei schöne Orte anzutreffen, Hauptstrassen zu vermeiden und trotzdem Wege zu nehmen, die diesen Namen verdienen. Das ist uns mehrheitlich gut gelungen.
Die Leute sind freundlich und ich sage schon automatisch abwechselnd „Bongiorno“, „Ciao“ oder „Salve“ sobald sich im Augenwinkel etwas bewegt. Italienische Rennvelofahrer (andere hat es kaum) treten übrigens meist in Rudeln auf. Die haben auch keine Veloglocke nötig, die hört man mit ihrem Geschnatter, lange bevor man sie sieht. Dies ist ein auffallender Unterschied zu Frankreich. Ein weiterer sind die öffentlichen Toiletten. Während in Frankreich an der Küste fast ausschliesslich selbstreinigende automatische Dinger stehen, sind es hier Steh-WCs. Steht in Frankreich: „Benutzung für max. 15 min.“, wird hier jeder versuchen in max. 15 s möglichst wieder an der frischen Luft zu sein.
Einige Bilder von unterwegs:





Erlebnisreicher Tag
Auch wenn der Tag wie ein normaler Ferientag begann, verdichteten sich am Abend die Erlebnisse. Der erste Trommelwirbel wirbelte leise, als unsere B&B-Vermieterin feststellte, dass sie gar kein Zimmer mehr hat und offenbar die Verfügbarkeit online nicht anpasste. Ich verstand zwar ihr italienisches Selbstgespräch nicht, merkte aber, dass es nicht einfach ist. Wessen Zimmer sie uns in 30 min. zu unserem verwandelte, bleibt ihr Geheimnis. Der spezielle Zugang zu unserer Loft weiter unten bei „Fundstück“.
Dann hatten wir in unserer Pizzeria einen strategisch günstigen Tisch neben der zentralen Stelle des Lokals. Hier entging uns nichts. Alle Gäste mussten an uns vorbei, wir konnten den Warteraum für Takeaway-Abholer und Nochkeintischhabengäste überblicken, sowie das Personal beim Arbeiten supervisionieren. Es war ein Theater mit Dramen, Familiensoaps, Peinlichkeiten, vielen Scherben und illustren Darstellerinnen und Darstellern vom Gentleman bis zu sehr egozentrischen Zeitgenossen. Der Laden brummte, das Personal rannte und der Pizzaofen glühte.

Da in Saluzzo gerade Oktoberfest🙈 ist, bot sich eine Fortsetzung des Theaters draussen an. Wir hörten einem Livekonzert zu (keine Festmusik!). Über den italienisch gut angezogenen Herrn, der die rosaroten, pinken und glitzernden Täschli und Ausrüstungsgegenstände seiner Töchter trug, ohne dass diese in seiner Nähe waren, mussten wir schmunzeln (er aber auch).
Dann war da noch der Hund, der sich bellend an uns vorbei stürzte und den Nonno auf der anderen Seite der Leine aus dem Gleichgewicht brachte. Seine Brille, sein Handy und er selbst, lagen uns plötzlich zu Füssen. Niemand wurde in diesem Theaterstück verletzt. Auch der Hund blieb unversehrt, den andere Passanten zurück brachten. Nach diesem Akt traten wir den Rückzug an. Wir mussten uns ja noch in unsere Loft liften – aah, dass wisst ihr ja noch gar nicht. 😀

Fundstück von heute
Hier in der Unterkunft müssen wir vom ersten Stock in unsere Loft mit dem Lift fahren. Weil dieser Lift keine Wände hat, muss man den Knopf während der Fahrt gedrückt halten, damit man sich an den Schachtwänden nicht verfangen kann. Mit der Geschwindigkeit eines Velos auf Rücktritt fährt man von unten in die eigene Stube rein.

Route von heute
Strecke: 62 km ↔️, 419 hm ↗️


